GrowLights – Teil 2: Die wichtigsten Faktoren für optimales Pflanzenwachstum

Vertiefung zu Teil 1: Hier erklären wir Dir die zentralen Kennzahlen (beginnend mit PPFD), das Lichtspektrum, IP-Schutzklassen und weitere technische Details – verständlich für Hobbygärtner und Pflanzenliebhaber.


Einleitung & Ziel dieses Artikels

Dieser Beitrag ist die Fortsetzung zu unserem Grundlagenartikel über GrowLights. Während im ersten Teil die grundlegenden Konzepte und Einsatzbereiche erläutert wurden, gehen wir hier tiefer ins Detail: Wir starten mit PPFD als der wichtigsten Kennzahl für Pflanzenlicht, erläutern typische Werte für verschiedene Pflanzenarten und erklären anschließend das Lichtspektrum, Effizienzkennzahlen und den Sinn von IP-Schutzklassen.

Kurzer Hinweis: Dieser Artikel ist bewusst technisch fundiert, bleibt aber praxisnah – ideal für Hobbygärtner, die ihre Pflanzen mit gezieltem Licht unterstützen wollen.

Anwendungsbeispiele (Kurzüberblick): Typische Einsatzgebiete sind: Zimmerpflanzen und Kräuter auf der Fensterbank, Ergänzungsbeleuchtung im Gewächshaus, Hydrokultur-Setups und spezialisierte Terrarien/Aquarienbeleuchtung. Die konkrete Wahl von Intensität und Spektrum richtet sich nach Pflanzentyp und Ziel (Blattwachstum vs. Blüte/Frucht).


PPFD: Die wichtigste Kennzahl

PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density) misst, wie viele Photonen im PAR-Bereich (400–700 nm) pro Sekunde auf einen Quadratmeter Pflanzenoberfläche auftreffen. Die Einheit ist µmol/m²/s.

Warum PPFD? Lux oder Watt sagen nur etwas über Lichtstärke für Menschen oder Stromverbrauch – für Pflanzen ist ausschlaggebend, wie viele Photonen im PAR-Bereich ankommen. PPFD misst genau das und ist damit die zentrale Kennzahl beim Pflanzenlicht.

Typische PPFD-Bereiche & Beispiele

Wichtig: Zusätzlich zur Intensität spielt die tägliche Beleuchtungsdauer eine Rolle. Für viele Pflanzen sind 12–16 Stunden Licht pro Tag sinnvoll. Moderne GrowLights mit Timern können das automatisieren.

Pflanzentyp Empfohlener PPFD (µmol/m²/s) Beispielpflanzen Hinweise
Schattenpflanzen 50–150 Farn, Efeutute, Philodendron Ideal für schattige Standorte
Mittellichtpflanzen 150–300 Monstera, Calathea, Orchideen Benötigen gleichmäßiges Licht
Lichtliebende Pflanzen 300–600 Kräuter (Basilikum, Thymian), Tomaten, Chili Beste Entwicklung unter Vollspektrum-Licht
Blühpflanzen & Obst 600–1000 Erdbeeren, Paprika, Pflanzen in der Blütephase Hohe Lichtintensität für Blüte & Fruchtbildung


PPFD-Heatmap: Zeigt Werte in µmol/m²/s an
Abbildung: Beispiel-PPFD-Heatmap (Zeigt Werte in µmol/m²/s; ideal ist eine möglichst gleichmäßige Verteilung). Hinweis: Achte bei Herstellerangaben immer auf den Abstand, z. B. "PPFD: 650 µmol/m²/s @ 30 cm".

Wie Hersteller PPFD darstellen: Hersteller veröffentlichen PPFD-Werte in technischen Daten oder als Heatmap. Eine gute Lampe kombiniert solide Maximalwerte mit gleichmäßiger Verteilung über der Zielfläche.

Selbst messen: Mit einem PAR-/Quantum-Sensor (z. B. Apogee-Modelle) lässt sich PPFD direkt über der Pflanze messen. Das ist besonders sinnvoll bei Gewächshäusern, großen Installationen oder für Hobbygärtner, die präzise einstellen wollen.


Lichtspektrum & seine Wirkung auf Pflanzen

Das Lichtspektrum beschreibt die Verteilung der Wellenlängen einer Lampe. Für Pflanzen ist der Bereich 400–700 nm (PAR) entscheidend. Innerhalb dieses Bereichs haben verschiedene Wellenlängen unterschiedliche physiologische Effekte:

  • Blau (400–500 nm): Fördert Blatt- und Wurzelwachstum, kompakte Pflanzenform.
  • Grün (500–600 nm): Dringt tiefer in Blätter ein; trägt zur Gesamtlichtsättigung bei.
  • Rot (600–700 nm): Fördert Streckung, Blütenbildung und Fruchtbildung.
  • Far-Red (~700–740 nm): Beeinflusst Tageslänge-Wahrnehmung und Blüteninduktion (phytochrome-effekt).

 

Abbildung: Vereinfachtes Lichtspektrum mit markierte Blau- und Rotbereichen.

Abbildung: Vereinfachtes Lichtspektrum mit markierten Blau- und Rotbereichen. Praktischer Hinweis: Für Blattgrün und kompakte Pflanzen mehr Blau; für Blüte/Frucht mehr Rot. Vollspektrum (weiß) ist der beste Allrounder für Hobbygärtner.


Weitere technische Kennzahlen, die wichtig sind

  • Leistungsaufnahme (Watt) vs. Effizienz (µmol/J): Watt beschreibt den Stromverbrauch, sagt aber nichts über die Lichtausbeute. Wichtiger ist die Effizienz in µmol/J (Mikromol Photonen pro Joule): je höher, desto mehr nutzbares Licht pro eingesetzter Energie.
  • Effizienz-Richtwerte
    Mittelmäßig: 1,5–2,0 µmol/J
    Gut: 2,2–2,8 µmol/J
    Premium: 3,0+ µmol/J
  • Praktischer Verbrauchswert: Ein Richtwert für Hobbyanwendungen: etwa 30–40 W pro 0,25 m² Pflanzenfläche, abhängig von Effizienz und gewünschter PPFD.
  • Kühlung & Temperaturmanagement: LEDs erzeugen Wärme, die abgeführt werden muss. Gute Kühlung (Aluminiumkühlkörper oder leise Lüfter) erhält Lichtleistung und Lebensdauer. Achte auf geräuscharmes Design, falls die Lampe im Wohnraum steht.
  • Timer- & Dimmfunktionen: Timer automatisieren Lichtzyklen; Dimmfunktionen erlauben Anpassung der Intensität an Wachstumsphasen oder Pflanzenarten. Beides erhöht die Flexibilität in der Praxis.
  • Beleuchtungsfläche & Abstand: Hersteller geben oft die empfohlene effektive Fläche bei einem bestimmten Abstand an (z. B. 60 × 60 cm bei 40 cm Abstand). Nutze solche Angaben, um Lampenanzahl und Montagehöhe zu planen.
  • Lebensdauer & Garantie: Hochwertige LEDs haben oft >50.000 Stunden Lebensdauer. Eine Garantie von mindestens 2 Jahren ist empfehlenswert.

IP-Schutzklassen – was Hobbygärtner wissen sollten

IP-Schutzarten geben an, wie gut ein Gerät gegen Eindringen von festen Fremdkörpern (erste Ziffer) und Wasser (zweite Ziffer) geschützt ist. Für Pflanzenlampen sind insbesondere Feuchte- und Spritzwasserschutz relevant.

IP-Schutzklasse Bedeutung
IP20 Nur für trockene Innenräume
IP44 Spritzwassergeschützt – für feuchtere Bereiche
IP65 Staubdicht & wasserstrahlfest – ideal für Gewächshäuser

Für die meisten Indoor-Hobbyanwendungen (Wohnräume, Fensterbank) reicht oft IP20–IP44. Für feuchte Orte, Außenbereiche oder Gewächshaus-Einsatz sollte man IP65 oder höher wählen.


Praxisleitfaden: So planst du deine Beleuchtung

Definiere den Pflanzentyp und die Zielsetzung (Blattwachstum vs. Blüte). Wähle die gewünschte PPFD-Range basierend auf der Tabelle weiter oben. Beachte die empfohlene Beleuchtungsdauer (z. B. 12–16 h) und richte Timer ein. Achte auf Effizienz (µmol/J), Kühlung und eine angemessene IP-Schutzklasse. Plane die Montagehöhe so, dass die Herstellerangabe für die angegebene Fläche bzw. den PPFD-Wert passt.

Kurzcheck vor dem Einsatz: Abstand geprüft • PPFD-Werte/Heatmap angeschaut • Timer eingestellt • Lampe sicher montiert


Fazit

PPFD ist die zentralste Kennzahl für Pflanzenlicht – sie sagt aus, wie viel nutzbares Licht tatsächlich auf die Blätter trifft. In Kombination mit dem passenden Lichtspektrum (Vollspektrum als Allrounder), ausreichend Effizienz (µmol/J), guter Kühlung und der passenden IP-Schutzklasse erhältst du eine langlebige, effektive Beleuchtung für deine Pflanzen.

Hinweis: Die hier gegebenen Werte sind praxisnahe Empfehlungen für Hobbygärtner. Profis und spezialisierte Kulturen benötigen ggf. engere, kulturspezifische Einstellungen.