Warum diese Alocasien ständig verwechselt werden – und wie DU sie endlich richtig benennst.
Wenn du dich auch nur ein bisschen intensiver mit Alocasien beschäftigst, bist du dieser Situation garantiert schon begegnet:
Du bist dir hundertprozentig sicher, jetzt den Unterschied verstanden zu haben – und dann taucht plötzlich wieder eine Alocasia gageana auf, die ganz anders aussieht als deine. Nicht auf dubiosen Google-Bildern oder in irgendwelchen Foren, sondern bei großen Pflanzenhändlern, renommierten Sammlern, Influencern, Großmärkten oder sogar botanischen Institutionen.
Und genau an diesem Punkt fragt man sich:
👉 Bin ich verwirrt – oder ist die Pflanzenwelt es?
Spoiler: Es ist nicht deine Schuld.
Warum diese Verwirrung überhaupt existiert
Botanik ist eine Wissenschaft. Und wie jede Wissenschaft lebt sie von neuen Erkenntnissen, Revisionen und manchmal auch Korrekturen früherer Annahmen. Besonders die Taxonomie – also die Einordnung und Benennung von Pflanzen – ist ständig in Bewegung.
Das Problem:
Diese Änderungen dringen oft nur langsam aus der Fachliteratur in den Alltag von Pflanzenliebhabern, Händlern und Content Creator. Das führt dazu, dass sich falsche Bezeichnungen jahrelang halten, weiterverbreiten und irgendwann als „normal“ empfunden werden.
Niemand macht das absichtlich.
Und niemand ist frei von Fehlern – auch wir nicht.
Aber:
👉 Richtige Benennungen sind wichtig.
Sie schaffen Klarheit, Vergleichbarkeit und Respekt gegenüber der wissenschaftlichen Arbeit, die hinter jeder Art steckt. Und ganz ehrlich: Es wäre unfair, wenn Menschen tagelang Pflanzen in freier Natur dokumentieren oder erforschen – nur damit wir im Alltag sagen: „Ach, ist doch egal.“
Genau deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben.
Ein kurzer Blick auf die Gattung Alocasia
Die Gattung Alocasia gehört zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae) und umfasst über 100 beschriebene Arten. Sie sind in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet – vom Himalaya über Südostasien bis nach Australien und in den Pazifikraum.
Was Alocasien besonders macht, ist ihre extreme morphologische Vielfalt:
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unterschiedliche Blattgrößen
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verschiedene Blattstellungen
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variable Blattadern (Venation)
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Unterschiede in Textur, Farbe und Sinusform

Und genau diese Vielfalt ist der Grund, warum selbst erfahrene Pflanzenfreunde manchmal ins Stolpern geraten.
Das Blatt als Schlüssel zur Identifikation
In der botanischen Bestimmung spielt die Blattstruktur eine zentrale Rolle. Besonders wichtig sind:
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die Blattspreite (Lamina)
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die Anzahl und Anordnung der Hauptadern
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die Form des Sinus (die Einkerbung am Blattansatz)
Die meisten Alocasien besitzen:
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eine pfeil- oder speerartige Blattspreite
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drei Hauptadern, die Vorder- und Hinterlappen definieren
Soweit so gut. Jetzt wird es spannend.
Die große Verwechslung: gageana, odora & macrorrhiza
Diese drei Namen tauchen immer wieder gemeinsam auf – und genau hier beginnt das Chaos.
Alocasia gageana & Alocasia odora 'California'– zwei Namen, eine Art
Beginnen wir mit der wichtigsten Erkenntnis:
👉 Alocasia gageana ist keine eigenständige Art mehr.
Im Jahr 2022 wurde Alocasia gageana taxonomisch neu bewertet und offiziell als kompakter Wuchs-Typ von Alocasia odora eingeordnet.
Das bedeutet:
Alles, was früher als A. gageana bezeichnet wurde, fällt heute unter Alocasia odora 'California'. Gerade deshalb muss man die Alocasia gageana richtig benennen.
Ein korrekt benanntes Beispiel wäre:
Alocasia odora ‘California Aurea’

Das ist keine Meinung – das ist aktueller botanischer Stand.
Eigenschaften von Alocasia odora 'California' (ehemals gageana)
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Herkunft: Myanmar
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Blattform:
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schildförmig
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herzförmig-pfeilförmig
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herzförmig-eiförmig
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Basale Blattränder: oft leicht gewellt
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Blattspitze: kurz zugespitzt
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Aderung:
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9–12 Hauptseitenadern pro Seite (blau markiert)
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gut ausgeprägte Zwischenkollektivadern
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Ein entscheidendes Merkmal kommt gleich – beim Sinus und wie man bei einer Alocasia den Sinus erkennt.
Alocasia macrorrhiza – der echte Riese
Die Alocasia macrorrhiza ist eine eigenständige, klar definierte Art – und wird dennoch ständig mit odora verwechselt.
Herkunft
Sie ist deutlich weiter verbreitet als odora und stammt unter anderem aus:
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Bismarck-Archipel
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Borneo
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Maluku
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Neuguinea
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Philippinen
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Queensland
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Salomonen
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Sulawesi
Typische Merkmale
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Blattform: pfeilförmig bis stumpf dreieckig
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Blattrand: ganzrandig bis leicht gewellt
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Aderung:
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ca. 9 primäre Hauptadern pro Seite
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Wuchs: sehr groß, massiv, stark
Der wichtigste Unterschied: Der Sinus
Wenn du dir nur eine Sache aus diesem Artikel merken willst, dann diese:
👉 Der Sinus entscheidet.
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Offener Sinus
→ der Blattstiel ist sichtbar
→ Alocasia macrorrhiza

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Geschlossener Sinus
→ der Blattstiel wird vom Blatt überdeckt
→ Alocasia odora

Zusätzlich:
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Alocasia odora bleibt im ausgewachsenen Zustand kleiner
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bei odora sind die Hauptadern eingesenkt
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bei macrorrhiza liegen die Adern erhaben auf dem Blatt
Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Alocasia macrorrhiza und odora.
Achtung:
Jungpflanzen können täuschen!
Bei jungen macrorrhiza kann der Sinus noch leicht schildförmig erscheinen – erst ausgewachsene Pflanzen zeigen das typische „nackte“ Erscheinungsbild.
Warum korrekte Benennung wichtig ist – ein persönlicher Appell
Und jetzt ganz ehrlich, von mir zu dir:
Wenn du Pflanzen liebst,
wenn du sie verschenkst,
verkaufst,
züchtest,
fotografierst,
oder einfach nur bewunderst –
👉 dann schulden wir ihnen eines: Respekt durch korrekte Namen.
Es geht nicht um Besserwisserei.
Nicht um Schuld.
Nicht um Perfektion.
Es geht darum, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass Wissen klar, vergleichbar und verlässlich bleibt.
Fazit – Ordnung im Alocasia-Dschungel
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Alocasia gageana = ❌ kein gültiger Artname mehr
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Alocasia odora = ✅ korrekt, inkl. kompakter Formen
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Alocasia macrorrhiza = ✅ eigenständige, großwüchsige Art
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Der Sinus ist dein bester Freund
Wenn dieser Artikel dir geholfen hat, Licht ins Namens-Chaos zu bringen, dann hat er genau das erreicht, wofür er geschrieben wurde.
Und falls du das nächste Mal eine „gageana“ siehst und innerlich schmunzeln musst –
willkommen im Club. 🌿